Bibliothek

Heute geht es mal wieder in die Stadtbücherei.

Meine Buchführung ist exzellent. Bücher oder andere Medien habe ich mein Lebtag noch nicht zu spät abgegeben.

Es ist schön warm und sonnig für einen Herbsttag.

Nur wo gehe ich lang? Gehe ich an der Hauptstrasse entlang? Da sind allerdings viel zu viele von meinen lieben Mitbürgern. Nachher kennt mich noch jemand und spricht mich an. Oder diese Vollidioten mit ihren als Männlichkeitsbeweise getarnten Autos, diese ewig pubertierenden. Um Gottes Willen. Nein, Danke.

Ich wähle wohl lieber den Weg durch die Parallelstrasse. Obwohl? Manchmal kann ich da auch Pech haben und eine ganze Gruppe von meinen lieben Mitbürgern buhlt um ihre Aufmerksamkeit.

Na ja, erstmal losgehen. Und sehen was dabei rauskommt.

Ich wähle also die Seitenstrasse. Kopf nach unten. Tief durchatmen. Die schöne Luft und den doch recht erquicklichen Sonnenschein geniessen. Gucken. Es kommt kein Auto. Rüber. Die Seitenstrasse war genau die richtige Wahl. Ich habe mein Tempo gefunden.

In meiner Tasche befinden sich die Sachen die zurückgegeben und verlängert werden müssen. Ja. Es war eine hübsche Ausbeute. Heute finde ich bestimmt wieder etwas schönes.

Gucken. Rüber. Alles klar. Dahinten sehe ich auf dem Fußweg vor einer Torausfahrt drei große grüne Plastiktüten. Ah, ich sehe schon, für abgeschnittenes Laub. Da haben sich welche mal richtig Arbeit gemacht. Diese Plastiktüten sind riesig. Aber es sind ja auch extra zwei große Trageschlaufen angebracht, gedacht für zwei Personen. Der ältere Herr, der da zwei Meter weiter weg vor einem Hauseingang steht gehört bestimmt dazu. Ich komme näher. Eine ältere Dame kommt aus dem Hauseingang. Ach, die passen aber auch irgendwie zusammen. Jetzt bin ich auf gleicher Höhe und sehe wie die Dame einen Sender, eine Fernbedienung für das Tor von der Torausfahrt in ihrer Hand hält. Oh nein, Sie hätte doch warten können. Mußte sie jetzt mit diesem Ding durch mich durch auf das Tor funken? Nun ja. Heute können wohl selbst die alten Leute nicht mehr abwarten. Nichts sagen. Die verstehen das sowieso nicht.

Weiter. Ein alter Mann pflückt einen schönen Tagesstrauß aus seinen Balkonkästen. Das freut mich für den Mann. Was sind das nur für schöne große, weiße Rankblüten? Der alte Mann spricht mich Gott sei Dank nicht an.

Alles erledigt sich wunderbar. Ich habe mal wieder allerwunderbarste Sachen in der Bücherei gefunden. Die nächsten Wochen sind gesichert. Noch in der Bibliothek habe ich beschlossen: Ich gehe auf dem Rückweg wieder durch diese nette Seitenstrasse.

Blick nach unten. Schön auf den Weg nach Hause begeben. Schön.

Eine schlanke Erscheinung mit wunderbar wehendem glattem schwarzem Haar geht zehn Meter vor mir her. Sie stellt mich nochmals vor die Entscheidung: Hauptstrasse oder Seitenstrasse.

Tut mir leid. Die Seitenstrasse bleibt es. Klasse. Das Wetter ist geblieben. Weiter geht es. Jetzt ist die Tasche sogar auch noch leichter als auf dem Hinweg. Gucken. Rüber. Weiter. Gucken. Wetten, es ist jedem Menschen klar, dass ich jetzt gleich über die Straße möchte? Nur diesem Depp nicht. Heutzutage kann wirklich kein Mensch mehr das Wasser halten. Bloß nicht aufregen. Das Faustrecht hat doch schon lange wieder Einzug gehalten? Blick nach unten. Ich kann warten. Und weiter.

Es ist doch alles so richtig schön. Ich komme nach Hause und bringe zunächst mal meine Schätze in Sicherheit und meine Buchführung in Ordnung.

Das war alles in allem doch recht erquicklich.

Hermine sagt: Na? Miezekätzchen.
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