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Die Welle

Die Frage ist, was ich von meinem ganzen Glauben daran habe, dass es ein Leben nach dem Tod gibt, wenn eben genau das nicht stimmt. Dazu hat mir eines der Trostpflaster Yalom´s gut gefallen.

Ich nenne es das Wellenkonstrukt.

Es geht davon aus, dass wir nach unserem Tod, zumindest für einige Zeit - deren Dauer wiederum von niemandem im voraus einzuschätzen ist -, durch die Taten, Gedanken, Gespräche u.ä.m. unseres vorherigen Lebens weiter wirken bzw. weiter wirksam sind. Wie stark wir wirken werden oder wo wir alles wirken werden, können wir einfach nicht ermessen, aber ich kann es mir mittels des Bildes vom Steinwurf, der im Wasser Ringe nach sich zieht, verbildlichen und mir damit eine Vorstellung von diesem Wellenkonstrukt entwickeln.

Übrigens hat das für mich ganz klare Implikationen für unser alltägliches Leben: Deswegen ist es ja auch so wichtig wie wir handeln, wie wir denken, wie wir miteinander umgehen. Ich möchte nach meinem Tod nicht als schlechter Mensch in Erinnerung nachbetrachtet werden.

Wer mir jetzt mit diesem Schwachsinn kommt von wegen, dass alles seine Perspektive hat und ein Vampir gerne sein Weißbrot in einer frischen Leiche einstippt, während wir konsterniert über den toten Menschen und über den Vorfall sind, der diese Leiche hervorgebracht hat, dem sei gesagt: "das ist Mickey-Mouse". Eine Leiche bleibt eine Leiche, ein Mord bleibt ein Mord; und ein tödlicher Unfall durch ein verantwortungsloses Arschloch am Steuer bleibt ein tödlicher Unfall, bei dem zumeist die anderen zu Tode kommen und eben nicht diese rücksichtslosen Arschlöcher am Steuer, für die ich gerne wieder echte Strafen eingeführt sähe.

Hermine sagt: Ist das hier oben oder unten?


Kommentare einfach rübergezogen aus (meiner Parallelzeit bei) WordPress punkt com:

Interessantes Post. Regt zum Nachdenken an.
Deine Idee (das "Konstrukt") halte ich für alles andere als abwegig. Wir hinterlassen Spuren, wir haben Dinge verursacht, die auch nach unserem Tod noch Wirkung zeigen. Diese Vorstellung an sich hat meiner Meinung nach aber nur unmittelbar (indirekt?) etwas mit dem alten "Thema" zu tun, ob es denn nun Leben nach dem Tod gibt oder nicht. Ich persönlich neige zu der Vermutung, dass bestimmte Vorgänge, die man damit in Verbindung bringt, sich nicht nur auf von uns erfahrbare und subjektiv erlebte biologische Begriffe wie "Leben" und "Tod" beschränken sondern in einem grösseren universellen Kontext zu verstehen sein sind. Es geht nichts verloren, zumindest nicht im Bereich der Materie. Warum sollte sich diese bewiesene Tatsache nicht auch auf andere Bereiche anwenden lassen, bei denen wir - wissenschaftlich gesehen - bislang immer noch im Dunkeln tappen. Wie dem auch sei. Was den subjektiven Standpunkt angeht, so scheint es mehr als plausibel und gegeben, dass man, solange man lebt, sich der Tatsache bewusst sein sollte, was man tut - eben, weil das "Prinzip von Ursache und Wirkung" nicht nur in der Physik seine Gültigkeit hat.
Gruss von Peter
(Peter - philgeland@yahoo.de)


Ja, es geht hier wirklich weniger um den physikalisch-materiellen Aspekt des Fortbestehens eines Selbst; es geht auch weniger um die seelisch-ätherische Wirkweise des persönlichen Fortbestands nach dem Tod.
Vielmehr geht es meines Erachtens bei diesem Welleneffekt eher einfach um die praktisch-narrative Wirkung eines Lebens nach dem Tod.

Zum Beispiel:

Lukas ist in solchen Situationen gerne in dieser und jener Art und Weise vorgegangen.
oder
Wenn ich dieses und jenes mache, muss ich oft an Lucy denken.
oder
Weißt du noch, wie der Lukas damals...
oder gerne auch generationenübergreifend
Oma Johanna hat immer gerne von einer Gerlinde erzählt, die...
oder
ich lese einen Zettel (ohne Identifikation), auf dem steht: ...hatte gestern...
oder
Mein Opa Fritz Fallier wurde damals wegen Wirtschaftsspionage für die CIA in der DDR zu 25 Jahren Zuchthaus in Bautzen verurteilt.

Das ´Wie´ ist unvorhersagbar (und schön?!).

[...] Der Gedanke an ein Fortwirken jedoch - einer fortgesetzten Existenz durch Taten der Fürsorge, der Hilfe und Liebe, die sie (eine Klientin; Anm. von mir) anderen weitergab - milderte ihre Angst (vor dem Tod; Anm. von mir) immens.

(a.a.O., S.88)
Andere Welleneffekte sind:

Durch politische, künstlerische oder finanzielle Errungenschaften bekannt werden.
Den eigenen Namen für Gebäude, Institute, Stiftungen und Stipendien hinterlassen.
Einen Beitrag zur elementaren Wissenschaft leisten, auf dem andere Wissenschaftler aufbauen können.
Sich mit der Natur durch seine verstreuten Moleküle wieder zusammenschließen, die als Bausteine zukünftigen Lebens dienen können.

(a.a.O., S.90)
Der Welleneffekt mäßigt den Schmerz über die Vergänglichkeit, denn wir werden daran erinnert, dass von jedem von uns etwas überdauert, auch wenn wir nichts davon wissen oder es nicht wahrnehmen.

(a.a.O., S.94)

Lit.:
Yalom, Irvin D.: In die Sonne schauen. Wie man die Angst vor dem Tod überwindet. München 2008.
(HarryHIII ; HarryHIII36@googlemail.com)
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