Philosophischer Werkzeugkasten

[...]Eine Bemerkung von Voltaire selbst passt vielleicht ganz gut, um den lebenslangen Streit zwischen den beiden wichtigsten Vertretern der französischen Aufklärungsphilosophie (Voltaire+Rousseau; Anm. v. mir HarryHIII) zu bewerten: »Ein langer Streit beweist, dass beide Seiten Unrecht haben.«
Voltaires weiterer Satz »Der Aberglaube setzt die ganze Welt in Brand; die Philosophie erstickt die Flammen« hat in der heutigen Zeit, in der sich Menschen immer noch aus Glaubensgründen terrorisieren, nichts an Brisanz verloren. Mit Voltaire lässt sich gegen religiöse Fanatiker jedweder Couleur sagen: »Bald wird er aus Liebe zu Gott zum Mörder werden.« Auf der anderen Seite kann auch ein übertriebener Glaube an die Vernunft zum Fanatismus führen. Auch im Namen der Vernunft wurden Verbrechen begangen, wie die Jakobinerherrschaft während der Französischen Revolution belegt. Es gibt auch einen an Fanatismus grenzenden Glauben an die Segnungen der westlichen Zivilisation und ihren »way of life«! Demgegenüber ist mit Voltaire hervorzuheben, dass jeder an sich selbst arbeiten soll. Goethe hat im zweiten Teil des Faust ganz im Sinne des von ihm verehrten Voltaire gedichtet:
»Das ist der Weisheit letzter Schluss:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muss.«
(a.a.O., S.115f.)

Anm.:
Jakobiner

Lit.:
Ruffing, R.: Der philosophische Werkzeugkasten. Die 50 wichtigsten philosophischen Gedanken und was sie für unser Leben bedeuten. München 2008.

Hermine sagt: Bitte sehr.
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