Julia Klöckner + Essensfälscher - Ampel

Einem Verbandsfunktionär mag man so etwas noch durchgehen lassen, er macht eben seinen Job, wenn auch keinen guten. Dass aber auch Staatsdiener so reden, die dem Ganzen verpflichtet sind und nicht nur den Einzelinteressen von Branchen, ist bitter. So war sich die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Julia Klöckner (CDU), beim Neujahrsempfang des BLL (Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde, Anm. v. mir) Anfang 2010 sicher, dass die Ampelkennzeichnung bei Lebensmitteln »keine wissenschaftliche Grundlage« habe und »keinen Nutzen« bringe. Angesichts von Hunderten, wenn nicht Tausenden von Wissenschaftlern und Ärzten unter den Ampel-Befürwortern ist so eine Behauptung mehr als bemerkenswert. Zu erklären ist solche Ignoranz nur damit, dass Verbände, Unternehmen und Politik in Deutschland seit Jahrzehnten in einem Raumschiff leben, durch dessen Wände nicht mehr dringt, was »draußen« passiert. In solchen Äußerungen schwingt das Denken des vergangenen 20.Jahrhunderts nach, und sie rufen in Erinnerung, dass die schon immer mächtig lobbyierende Lebensmittelindustrie auf ihren Erzeugnissen überhaupt erst seit 1984(!) angeben muss, wer der Hersteller ist, wie groß die Füllmenge ist, welche Zutaten verwendet wurden. Mehr Information ist im Grunde auch bis heute nicht vorgeschrieben.

(a.a.O., S.182f.)

Lit.:
Bode, T.: Die Essensfälscher. Was uns die Lebensmittelkonzerne auf die Teller lügen. Frankfurt am Main 20103.

Hermine sagt: Bitte sehr.
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