Buddenbrooks (2)

[...] ... Manchmal sagte er mit halber Stimme vor sich hin:
»Kurios! Kurios!«
Und als dann Madame Buddenbrook ihren letzten, ganz kurzen und kampflosen Seufzer getan hatte, als im Eßsaal, woselbst die Einsegnung stattfand, die Träger den blumenbedeckten Sarg aufgehoben hatten, um ihn schwerfällig davonzuschaffen, - da änderte sich seine Stimmung nicht, da weinte er nicht einmal, aber dies leise, erstaunte Kopfschütteln blieb ihm, und dies beinahe lächelnde »Kurios!« wurde sein Lieblingswort... Kein Zweifel, daß es auch mit Johann Buddenbrook zu Ende ging.
Er fing an, stumm und abwesend im Familienkreise zu sitzen, und wenn er einmal die kleine Clara auf die Kniee genommen hatte, um ihr vielleicht eines seiner alten drolligen Lieder vorzusingen, zum Beispiel:

»Der Omnibus fährt durch die Stadt...«

oder

»Kiek, doa sitt´n Brummer an de Wand...«

so konnte er plötzlich stillschweigen, um dann die Enkelin gleichsam aus einem langen, halb unbewußten Gedankengange heraus mit einem kopfschüttelnden »Kurios!« zu Boden zu setzen und sich abzuwenden... Eines Tages sagte er: (zu seinem Sohn und Geschäftsnachfolger; Anm. v. mir)
»Jean - assez, du?«
(a.a.O., S.70f.)




Lit.:
Mann, T.: Buddenbrooks. Verfall einer Familie. Frankfurt am Main 19605.

Hermine sagt: Bitte sehr.
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