Donnerstag, 1. März 2012

Mein Lese-Stoff


Heutzutage fühlen sich (allzu) viele Menschen unter Gruppendruck: sie wollen alle Facebook beitreten, alle wollen ein Smartphone besitzen. Die Wenigsten wissen warum und wozu. Sie wollen einfach nur dazugehören, dabei sein, mitreden können. - Nicht auffallen.

Mir erging es letztens ähnlich. Ich habe immer proklamiert, dass ich keine Horrorgeschichten vertrage. Ich mag nahezu alles andere. Keine Lyrik, die habe ich noch nie verstanden und wenn ich danach etwas anderes lese, übernehme ich diesen (unnatürlichen) Rhythmus, das mag ich nicht. Ich mag Happy Ends. Ich mag Sachbücher (inkl. Fachliteratur).

Nun, wie dem auch sei, ich fühlte mich unter Druck: ich soll doch ruhig Mal Stephen King versuchen; der wurde doch schließlich und endlich sogar verfilmt, das kann doch nur Horror mit Anspruch sein? Als der Druck, der tatsächlich mehr selbst gemacht denn oktroyiert war, nicht länger auszuhalten war, lieh ich mir zwei Bücher von Stephen King.
  • King, S.: Wahn, München 2008 
  • King, S.: Die Arena München 2009 
Wahn - wenn ich mich recht entsinne, so was um die 900 Seiten - ging noch einigermaßen. Die Geschichte hatte einige unerwartete Wendungen und ein paar Lebensweisheiten zu bieten. Die Arena - 1000-1100 Seiten, meine ich mich zu erinnern - verließ mich auf etwa der halben Strecke, dann setzte ich zum Diagonal-Lese-Galopp an. Die Arena war noch konstruierter als Wahn. Und ich erkannte Parallelen im Aufbau, was mich letztlich noch mehr zu meinem Lese-Endspurt trieb.

Ganz abgesehen davon, holte mich meine ursprüngliche Begründung Horror-Geschichten nicht zu lesen wieder ein: ich träumte jedes Mal schlecht. Ich vertrage solche Geschichten einfach nicht. Ich kann´s nicht ändern. Wozu soll ich mir diese Überzeichnung von apokalyptischen Zuständen antun? Man denkt das war´s jetzt, und dann kommt immer noch und noch fürchterlicher?
  • Proust, M.: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. In Swanns Welt, Frankfurt am Main 1954 
Der Titel Auf der Suche nach der verlorenen Zeit ist schon für sich (und vor allem für mich) spannend, zusätzlich noch zum soeben Besprochenen. Wie hole ich nur die mit diesem King verlorene Zeit wieder ein?

Ganz davon abgesehen, hatte ich mir immer schon die Lektüre des Werkes von Marcel Proust vorgenommen. Wie das so ist, die Zeit...

Jetzt, nach dem Horror-(Stephen-King-)Irrweg, freue ich mich naturgemäß umso mehr darauf endlich Marcel Proust lesen zu dürfen. Es macht mir einfach mehr Spaß! Ich fühle mich wieder zu Hause.
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